Juni 2010: ein prächtiger Doppelstern im Schwan für Ferngläser und kleine Teleskope Der Schwan gehört mit der Leier und dem Adler zu den typischen Vertretern der Sommersternbilder, obwohl sie noch bis in den Spätherbst bzw. "Frühwinter" hinein gut sichtbar sein werden. Nimmt man die jeweiligen Hauptsterne der drei Sternbilder, erhält man das sogenannte "Sommerdreieck", welches kein offizielles Sternbild ist, aber unter Sternfreunden weltweit bekannt ist: Vega in der Leier, Altair im Adler und Deneb im Schwan. Steht Deneb am Schwanz des Schwans, befindet sich am Kopf der Stern, um den es hier geht: Albireo bzw. Beta Cygni; Sind die griechischen Buchstaben normalerweise nach der Helligkeit vergeben (also Alpha Cygni=Deneb, der hellste Stern im Schwan), so stimmt das für Beta Cygni nicht. Mindestens drei weitere Sterne im Schwan sind heller als Albireo, wahrscheinlich hat die besondere Position Albireos dazu geführt, dass er den Buchstaben Beta zugeordnet bekommen hat. Albireo erscheint von blossem Auge als ein Stern, bereits ein gutes Fernglas mit 8x Vergrösserung zeigt aber einen Begleitstern, der sich in unmittelbarer Nähe des Hauptsterns befindet. Die hellere Komponente hat eine visuelle Helligkeit von 3,1, während der schwächere Begleiter ca. 5 Grössenklasse aufweist. Der Unterschied einer Grössenklasse entspricht einem Faktor von 2,5, was die Helligkeit angeht, je kleiner die Zahl, desto heller ist das Gestirn. Bei den Doppelsternen unterscheidet man zwischen optischen und physischen Doppelsternen. Die optischen stehen nur zufällig in einer Sichtlinie und haben nichts miteinander zu tun. Bei den optischen handelt es sich um ein System, bei dem zwei (oder mehr) Sterne sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. Bei Albireo, der 380 Lichtjahre von uns entfernt ist, lässt sich noch nicht genau sagen, ob es sich um einen optischen oder einen physischen Doppelstern handelt. Wäre es ein echter Doppelstern, würde die Umlaufzeit mindestens 100'000 Jahre betragen. Auf jeden Fall gehört Albireo zu den schönsten Doppelsternpaaren, die der nördliche Sternenhimmel zu bieten hat. Die Aufnahme ist in de Sternwarte mit nur 5s Belichtungszeit entstanden.
Februar 2010: Begegnung mit einem inspirierenden Planeten - Mars Mars ist unser äusserer Nachbarplanet, der ca. 1,5x soweit von der Sonne entfernt wandert wie die Erde. Er benötigt für einen Umlauf um die Sonne ca. 1.8 Erdenjahre; als sonnenfernerer Planet legt er eine längere Strecke während seines Umlaufs zurück und bewegt sich dazu auch langsamer: Während es bei der Erde ca. 30km/s sind, bringt es Mars auf durchschnittlihch 24km/s. Weil die Entfernung zwischen Erde und Mars zwischen 55,8 und 399,9 Millionen Kilometer schwanken kann, erscheint der in Wirklichkeit mit nur 6790km grosse Planet sehr unterschiedlich gross im Teleskop: Sein scheinbarer Durchmesser kann minimal 3,5 Bogensekunden, maximal gut 25" betragen. Jetzt, kurz nach Erreichen der Oppositionsstellung Ende Januar, sind es noch gut 14", was ein entsprechend leistungsfähiges Teleskop voraussetzt, um auf der Oberfläche die helle Polkappe oder die dunkleren Regionen zu sehen, welche das Licht weniger stark reflektieren, welches Mars von der Sonne erhält. Mars steht gegen 20.30 Uhr schon ziemlich hoch im Südosten im Sternbild des Krebses, welcher auf den Löwen folgt und dem das Sternbild der Zwillinge vorausgeht. Mars fällt durch seine Helligkeit und die tiefrote Farbe auf. Mars hat schon vor langer Zeit die Menschen angeregt darüber nachzudenken, ob es im Sonnensystem einen weiteren Planeten mit Lebensformen geben könnte ähnlich denjenigen auf der Erde. Höhepunkt der Spekulation waren dann die Beobachtungen des italienischen Astronomen Sciaparelli, welcher mithilfe seines riesigen Linsenfernrohres auf der Oberfläche des roten Planeten ein Netz von Linien beobachtet zu haben wollte, welches dann ein weiterer von Mars besessener amerikanischer Amateurastronom mit einen ähnlich starken Fernrohr zu sehen behauptete und sich zu den Spekulationen über ein künstliches Bewässerungssystem auf Mars verstieg, welchem allerdings das Wissen um die Jahreszeiten auf Mars zugrunde lag. Heute sind die Beobachtungen als optische Täuschungen widerlegt worden. Der deutsche Autor Kurd Lasswitz hat kurz vor 1900 einen Science-Fiction Bestseller geschrieben, bei dem es darum geht, dass eine der iridischen überlegene Zivilisation von Mars die Erde kolonisieren will. Neben der farbigen Erzählweise besticht der Roman durch Spannung und einige interessante Überlegungen dazu, wie Kulturen miteinander umgehen. Sollte das Wetter also weiterhin der Beobachtung von Mars nicht günstig gestimmt sein, kann ich die Lektüre des Buches von Lasswitz nur empfehlen:
Dezember 2009: partielle Mondfinsternis zu Silvester Am Donnerstag, den 31. Dezember, kommt es zu einer Randabschattung des Vollmondes durch den Schattenkegel der Erde: Weil die Mondbahn gegenüber der Bahn der Erde um die Sonne um einen Winkel von ca. 5 Grad geneigt ist, tritt nicht bei jedem Vollmond gleichzeitig eine Mondfinsternis ein. Vollmond haben wir dann, wenn Sonne, Erde und Mond in einer Linie stehen. Damit der Erdschatten auf den Mond trifft, muss sich der Erdtrabant im Schnittpunkt befinden, wo sich die Erdbahn um die Sonne mit der Mondbahn um die Erde schneidet. Meist passiert der Mond unter- oder oberhalb dieses Areals. Weil die Erde einen Halb- und einen Kernschatten wirft, ist eine Passage durch den Halbschatten meist kaum wahrzunehmen. Erst wenn der Mond auch in den Kernschattenbereich eintritt, wird die Verdunkelung deutlich, als liege ein Schleier am Rand des Mondes. Am Silvesterabend wird die Erscheinung ab ca. 19 Uhr erkennbar, wenn der Mond mehr als zur Hälfte im Halbschatten der Erde liegt. Ab 19.50 Uhr ist der Kernschattenbereich erreicht, die Verdunkelung nimmt bis 20.22 Uhr zu und dann langsam wieder ab, gegen 21 Uhr dürfte dann der Vollmond wieder in der gewohnt gleissenden Helligkeit erstrahlen.
November 2009: Tanz der Sternschnuppen nach Mitte des Monats
In der Nacht vom 17. auf den 18. November tritt das Maximum des Sternschnuppenstromes der Leoniden ein. Experten haben es auf die Minute genau berechnet: 22.43 MEZ! Es lohnt sich aber, falls bis um diese Zeit noch keine erhöhte Anzahl Meteore zu beobachten sind, weiter auszuharren, denn tendenziell nehmen die Sternschnuppen gegen den Morgen hin zu. Blickrichtung NE ist angesagt, wo der Horizont möglichst frei sein sollte. Mit etwas Glück kann eine fotografische Aufnahme gelingen, wenn ein Weitwinkelobjektiv zum Einsatz kommt und die Belichtungszeit lange genug eingestellt werden kann. Mit hochempfindlichem Film darf es - dank der mondlosen Nacht - durchaus bis 5 Minuten sein, es sollte aber mindestens um 1, besser 2 Blendenstufen abgeblendet werden. Die Leoniden haben in meinem Geburtsjahr (1966) zum grössten und eindrucksvollsten Sternschnuppensturm eingeladen, die Berichte darüber sind fantastisch! Eine solche Pracht kann man aber 2009 nicht erwarten, dennoch ist mit einer gegenüber dem Durchschnitt erhöhten Aktivität zu rechnen. Die Ursache der Sternschnuppen liegt beim Kometen 55P/Temple bzw. dem Staubmaterial, das auf dessen Bahn um die Sonne liegt. Gerät die Erde in die Nähe dieser Bahn oder durchquert sie diese (wie 1966), so dringt eine riesige Anzahl von Kleinstkörpern (Staubkorngrösse) in die Erdatmosphäre ein und verglüht. Dazu kann die Luft ionisiert (elektrisch aufgeladen) werden, was beides zum Aufleuchten einer Sternschnuppe führt. Besonders helle Schnuppen werden als Boliden bezeichnet, diese sind grösser und es kann sein, dass während mehreren Sekunden ein Nachleuchten am Himmel zu sehen ist. Bitte vergessen Sie nicht, sich beim Anblick einer besonders prächtigen Sternschnuppe etwas Schönes zu wünschen. Bereits zwei oder drei Nächte früher oder später können schon mehr Sternschnuppen gesehen werden.
Oktober 2009: steile Ekliptik rückt Planeten am Mortenhimmel ins Bild Die Ebene, in der sich die Planeten um die Sonne bewegen, heisst Ekliptik oder Tierkreis. Dort, wo sie von uns aus gesehen scheinbar die Himmelskugel schneidet, liegen die Tierkreissternbilder. Vor diesem Hintergrund erscheinen von unserem Heimatplaneten aus betrachtet die Planeten am Himmel. Weil die Ekliptik im Verlauf des Jahres unterschiedlich steil gegenüber dem Horizont erscheint, bringt die Position im Oktober eine gute Sichtbarkeit der Planeten mit sich. Es sind dies am Morgenhimmel um die Monatsmitte gegen 06.00 Uhr die Planeten Saturn, Venus und der Merkur. Während der Saturn der am weitesten von uns entfernte Planet ist, welcher von blossem Auge gesehen werden kann (er benötigt für einen Umlauf fast 30 Jahre und steht in zehnfacher Entfernung der Erde von der Sonne) und ansonsten die ganze Nacht über sichtbar sein kann, präsentiert sich die Situation für Merkur und Venus anders: Beide sind innere Planeten, die der Sonne näher stehen als wir und deshalb nur in der Dämmerung gesehen werden können (Ausnahme: Venus am Taghimmel im Teleskop). Es lohnt sich, in der Monatsmitte noch ein bisschen früher aufzustehen und das Fernglas parat zu haben, um Venus und Saturn (Saturn oberhalb, Venus darunter und noch tiefer stehend Merkur) betrachten zu können. Hinzu kommt am Morgen des 16. die Sichel des abnehmenden Mondes, wenn die Luft klar ist, wird das Erdlicht, also der unbeleuchtete Teil des Mondes, besonders schön sein. Fotografisch lässt sich die Konstellation sehr gut festhalten. Die Karte zeigt die Anordnung der Gestirne, wie sie bei freiem bzw. flachem Osthorizont erscheinen wird.
Juli und August 2009: Beste Sichtbarkeit der fernen Gasriesen
Uranus und Neptun sind die sonnenfernsten Planeten unseres Sonnensystems. Uranus zieht seine Bahn in der ca. 20-fachen Entfernung der Erde von der Sonne und benötigt für seinen Umlauf ungefähr ein Menschenleben von 84 Jahren, währenddem Neptun, seit der "Degradierung" von Pluto äusserster bisher bekannter Planet, dreissigmal soweit von der Sonne entfernt läuft. Hat die Erde einen Umlauf um die Sonne gemacht, ist in derselben Zeit Neptun gerade mal um den hundertvierundsechzigsten Teil seines Bahnumlaufes weitergekommen. Zwar sind beide Planeten von blossem Auge nicht sichtbar, bereits ein Fernglas mit 30mm Öffnung lässt die beiden Gasriesen als feine Sternpunkte erkennbar werden. Deutlich ist die bläuliche Färbung von Uranus und die grünliche des Neptun. Ebenso sind sie z.B. in einem kleinen Fernrohr wie dem "Baumarktfernrohr" (s. "Links und Tipps") zu sehen, welches mit wenig Bastelaufwand hergestellt und für ein Taschengeld erworben werden kann. Neptun ist sehr leicht auffindbar, da er nahe an der Sichtlinie Erde-Jupiter steht und es nur wenige annähernd gleichhelle Sterne in seiner Umgebung gibt. Uranus ist etwas schwieriger aufzuspüren, er steht im unscheinbaren Sternbild der Fische. Am besten gelingt die Sichtung der Planeten, wenn der helle Jupiter aufgegangen ist und bereits etwas an Höhe über dem Horizont gewonnen hat. Mit stärkeren Instrumenten ab 80mm Öffnung und ab ca. 200x Vergrösserung erscheinen sowohl Uranus wie auch Jupiter scheibchenförmig, was einen klaren Hinweis auf den Planetencharakter darstellt, wenn man nur im Moment beobachtet. Im Verlauf der Tage und Wochen bewegen sich die fernen Planeten vor dem Hintergrund der Fixsterne, was sich zeichnerisch festhalten lässt. Die Karte zeigt den "östlichsten Zipfel" des Steinbocks (CAPricornus) mit dem hellen Planeten Jupiter, den man nicht übersehen kann nach Mitternacht.
Juni 2009: Geht das Warten auf das gefleckte Gesicht der Sonne bald vorbei?
Sonnenflecken-die meisten erinnern sich daran, davon gehört oder schon Bilder gesehen zu haben, wirklich "live" sind sie selten zu erkennen: Sonnenfleckenbeobachtung setzt voraus, dass der Beobachter einen qualitativ hochwertigen Filter benutzt, welcher das Sonnenlicht um den Faktor 1:500'000 dämpft. Von Experimenten ist dringend abzuraten! Die Sonne lässt sich mit einem einfachen Fernrohr, das auf einem Stativ montiert wird, ohne Gefahr auf ein Blatt Papier projizieren. Zum Einstellen der Sonne darf man nur die "Schattenmethode" verwenden, bei der man den Schatten des Teleskops anschaut und es so einstellt, dass das Schattenbild genau kreisrund wird: Dann stehen die Sonne und das Fernrohrobjektiv genau in einer Linie. Hält man dann das Papier oder einen stabilen Karton hinter die Okularöffnung, so erscheint die Sonne als leuchtende Scheibe und kann fokussiert werden. Um ein qualitativ gutes Bild zu erhalten, reicht eine Öffnung von 40mm aus. Weil Ferngläser verkittete Linsen und Prismen enthalten, sollten sie zur Sonnenprojektion nicht verwendet werden. Schon ungewöhnlich lange hat sich ein nahezu fleckenloses Bild der Sonne gezeigt. Unter den Flecken versteht man Regionen, die deutlich kühler sind als die helle Photosphäre. Das Auge setzt diesen Temperaturunterschied in einen Kontrast um, bei dem der Fleck eine einen grauen und einen schwarzen Teil aufweisen kann, die sog. Umbra und die Penumbra. Die Flecken sind ein indirektes Abbild der Sonnenaktivität, die in einem ca. elfjährigen Zyklus schwankt: So lange dauert es von Maximum zu Maximum. Gegenwärtig warten die Sonnenforscher auf den Beginn des neuen Zyklus, der aber nicht einfach festzulegen ist, denn bei sporadischen Flecken kann es sich um "Restprodukte" des alten Zyklus handeln. Weil fast seit Beginn der Beobachtung des Himmels mit Teleskopen die Flecken der Sonne gesichtet und darüber berichtet wurde, ist die Chronologie nahezu durchgehend seit über 300 Jahren. Entsprechend wertvoll sind diese Beobachtungen geworden, auch im Zusammenhang mit der Klimaforschung. Aufnahme: 9.Sept. 2001: Heinz Schneider mit einem 120mm Linsenfernrohr und Baader Astro-Solar-Folie
Mai 2009: Das hellste Objekt am Himmel nach Sonne und Mond - von Menschen geschaffen!
Die Internationale Weltraumstation ISS ist im März mit dem letzten grossen Solarzellenpannel ausgestattet worden. Diese Pannels - welche das Erscheinungsbild der 108x74m grossen Station dominieren - haben die Aufgabe, das Sonnenlicht in elektrischen Strom umzuwandeln. Weil sie hochreflektierend sind, spiegeln sie auftreffendes Sonnenlicht aus der Höhe von minimal 350km zur Erde. Deshalb kann die Station bei einem optimal sichtbaren Durchgang in der Nähe des Zenits des Beobachters heller scheinen als die Venus, welche nach Sonne und Mond das dritthellste Gestirn ist. Im Mai beginnt eine sehr günstige Sichtbarkeitsperiode der Station, dabei kann sie ohne Probleme auch aus durch Kunstlicht aufgehellten Agglomerationen oder Städten heraus beobachtet werden. Generell bewegt sie sich mit der Erdrotation in Richtung Osten. Für einen Erdumlauf benötigt die Station nur ca. 90 Minuten, die Sichtbarkeit für uns Beobachter auf der Erde dauert in der Regel ca. 2-3 Minuten. Die genauen Angaben zur Sichtbarkeit (Auftauchen, Kulmination, Abtauchen in den Erdschatten und die Himmelsrichtung, in der das Schauspiel stattfindet) kann man sich über das Portal von "Calsky" für seinen Standort berechnen lassen:
Ich kann auf Anfragen hin auch ein PDF mit den Angaben zuschicken.
Wer mit seiner Kamera mehrere Sekunden belichten kann, dem gelingt bestimmt eine Strichspuraufnahme der Station. Dabei muss der Apparat auf einem Stativ stabil befestigt werden und mit möglichst kurzer Brennweite in Richtung des Punktes blicken, an dem die Station sichtbar werden wird.
April 2009: Saturnring in Kantenlage Der helle Planet Saturn bietet ein dankbares Ziel für alle Amateurfernrohre. Selbst im Feldstecher kann der grösste der Saturnmonde - Titan - leicht aufgefunden werden. Für die Ringe allerdings empfiehlt sich der Einsatz eines Fernrohres mit mindestens 80mm Objektivdurchmesser und ca. 100x Vergrösserung. In der Zeit, in der die Erde einmal die Sonne umrundet, also innerhalb eines Jahres, legt der sonnenferne Saturn, der viel langsamer unterwegs ist, lediglich, den 30.Teil seines "Kreises" zurück. Weil die Saturnringe nicht in der Umlaufebene des Planeten um die Sonne liegen, kommt es innerhalb eines Saturnjahres zweimal vor, dass wir auf die Kante der Ringe blicken und diese sogar während mehrerer Wochen unsichtbar werden - dies ist ein Hinweis darauf, dass die Ringe im Verhältnis zum Durchmesser unglaublich dünn sind!
Die Tabelle gibt einen Überblick darüber, was uns in den nächsten Jahren erwartet:
März 2009: bisher wenige, aber gute Nächte Nachdem der Monat März sich vor allem durch überduchschnittlich viel bewölkten Himmel hervorgehoben hat, gab es am Samstag, den 21. endlich beste Durchsicht in mondscheinloser Nacht. Zwei Besucher konnten die Gelegenheit nutzen und den faszinierenden Sternenhimmel, bei dem sich die Wintersternbilder abends verabschieden, der Frühlingshimmel dominiert und in den Morgenstunden der Sommerhimmel bereits sichtbar wird, kennenlernen. Alle Augen auf "Leo" - den Löwen! Der Löwe ist ein Tierkreissternbild, das ein grosses Himmelsareal einnimmt. Er gehört zu den Bildern, welche sofort als solche erkannt werden, sehr charakteristisch ist der Körper wie der Kopf aus Sternen gebildet. Regulus ist der Hauptstern, am Schwanz steht Denebola. Dort, wo der Kopf und der Körper zusammenkommen, befindet sich "Gamma Leonis", auch Algieba, "die Löwenmähne" genannt. Es ist ein sehr schöner Doppelstern unterschiedlicher Helligkeit, die Entfernung beträgt ca. 130 Lichtjahre. Bereits in kleinen Fernrohren werden die hellen Galaxien M65 und M66 sichtbar, dies im gleichen Gesichtsfeld. Bei schwacher Vergrösserung kann man sogar drei Galaxien gleichzeitig im Gesichtsfeld haben! Saturn ist "Gast" im Löwen, heller als Regulus und dadurch auffällig, dass er nicht flackert. Titan, der grösste der 27 Saturnmonde, kann bereits im guten Fernglas zu erkennen sein.
Februar 2009: ungewohnter Anblick des Ringplaneten und ein heller Komet am Abendhimmel
Während des ca. 29,5 Jahre dauernden Umlaufs des Saturns um die Sonne erblicken wir zweimal die Ringe von der Kante. Blicken wir so auf die Ringebene, die in Wirklichkeit nur wenige Kilometer dick ist, können die Ringe während mehrerer Wochen unsichtbar bleiben. Das Augenmerk gilt dann vermehrt den meteorologischen Vorgängen auf dem am weitesten von uns entfernten Gasplaneten, der von blossem Auge noch gut zu sehen ist. Weil die Ringe einiges zur Helligkeit des Planeten beitragen, können, sofern wir auf die unbeleuchtete Hälfte des Ringsystems schauen, lichtschwache innere Monde des Saturn erkennbar werden. Hier sind dann wirklich grosse Teleskope mit Öffnungen ab 40cm Durchmesser im Vorteil. Wer vor Mitternacht das Instrument auf den Saturn richtet, kann das Ringsystem so schmal sehen, wie dann lange nicht mehr. Weiter ist ab Februar mit dem Phänomen des Durchgangs von Titan, dem grössten aller Saturnmonde, vor dem Planeten zu beobachten, der Planet selber ist schwieriger auszumachen als sein tiefschwarzer Schatten. Dazu reichen auch kleine Amateurfernrohre ab 80mm Durchmesser aus, die Vergrösserung sollte aber nicht unter 100x gewählt werden - sofern dies die Luftunruhe erlaubt. Noch kulminiert Saturn aber hoch am Himmel. In allen Astronomiezeitschriften wird auf den Kometen "Lulin" verwiesen, der im Juli 2007 auf Taiwan entdeckt worden ist. Seinen sonnennächsten Punkt hat der Komet bereits durchlaufen - was mit dem stärkstmöglichen Abschmelzen von Kometenmaterial einhergegeht, schliesslich gelten Kometen als "schmutzige Schneebälle" - den erdnächsten Punkt erreicht Lulin aber erst um den 24/25. Februar, wenn die Distanz zur Erde nur noch 0,4 AE beträgt (das 0,4 Fache der Entfernung Erde-Sonne), zufälligerweise geht dies mit der Neumondphase einher, was optimale Sichtbedingungen bringt, wenn der Mond nicht mehr stört. Auf jeden Fall ist ein Fernglas eine gute Hilfe, um den Kometen aufspüren zu können. Lulin wandert zu Beginn des Monats durch die Waage der Ekliptik entlang in die Jungfrau, welche er gegen Monatsmitte erreicht, steht am 25. in der Nähe von Saturn und am 1.März nicht weit von Regulus, dem Hauptstern im Löwen. Danach rauscht er weiter in Richtung Krebs (5.3) und Zwillinge (15-30.3). Auf dem Portal von www.astroinfo.ch findet man eine Aufsuchungskarte des Kometen und weiterführende Informationen. Jetzt ist es Zeit, das Fernglas hervorzukramen, die Linsen zu reinigen und das Glas, falls nötig, justieren zu lassen, falls es Doppelbilder zeigen sollte.
Januar 2009: Gasnebel im Orion Über das ganze Sternbild spannt sich, von uns aus gesehen, ein riesiges Gasnebelgebiet, welches bereits bei Belichtungszeiten von 30s an seinen hellsten Stellen mit jedem Fotoapparat - analog oder digital - sichtbar wird. Es sind riesige Wolken, die zur Hauptsache aus Wasserstoff, dem einfachsten der Elemente im Weltall, bestehen. Aufnahmen mit dem Hubble-Weltraumteleskop bringen eine so deutliche Auflösung, dass darin sogenannte "Globulen" zu erkennen sind, also Verdichtungen, in denen neue Sterne entstehen - wer weiss, vielleicht auch Planeten? Mit einem Fernglas mit einer 7-10 fachen Vergrösserung lässt sich der Gürtel und das Schwert des Himmelsjägers ziemlich formatfüllend einstellen. Der helle Orionnebel M42 fällt sofort auf, lässt sich im Schwert nicht auf einen Punkt fokussieren wie die Sterne der Umgebung. Bei der Betrachtung im Fernrohr zeigt sich eine fächerförmige Form mit einer zentralen Verdichtung, in welcher vier Sterne nah beieinander stehen. Es sind auch Sterne, welche den Nebel überhaupt zum Leuchten anregen mit ihrer Strahlung, aber nicht in der Art eines Autoscheinwerfers, der in eine Nebelwand leuchtet, welche das Licht reflektiert, sondern es handelt sich um das Phänomen der Emission von Strahlung. NGC 2024 ist ein schwierigeres Objekt, weil es in der Sichtlinie des Sternes Alnitak steht, des hellen östlichen Gürtelsterns. Dieser überstrahlt den "baumförmigen" Gasnebel, weshalb man das Teleskop am besten so einstellt, dass Alnitak knapp ausserhalb des Gesichtsfeldes liegt. In einer besonders klaren Nacht ist der "Flammennebel" bereits in einem Kleinfernrohr von 50mm sichtbar. Orion- und Flammennebel befinden sich beide in ca. 1500 Lichtjahren Entfernung, Alnitak dagegen ist nur halb so weit von uns entfernt.
Parade der Planeten zum Jahresende 2008 Bereits Ende des vergangenen Novembers wurden wir in den wenigen klaren Abendstunden, so am 30.11, mit einem schönen Bild im Westen belohnt: Tief der zunehmende Mond mit dem Erdschein auf der unbeleuchteten Hälfte des Erdtrabanten, etwas höher und in südwestlicher Richtung die beiden Planeten Venus und Jupiter (Aufnahme: H.Schneider mit Olympus E-400 und 14-42mm Objektiv, 200ASA bei 2,5" Belichtung). Bemerkenswert wird das Bild, wenn man sich die Entfernungsverhältnisse vorstellt - der nur knapp 400'000km entfernte Mond, dann die der Sonne näher stehende helle Venus als innerer Planet des Sonnensystems und der viel weiter entfernte, immer noch helle Gasriese Jupiter. Am 28. Dezember kann zudem der sonnennächste Planet Merkur ca. 3 1/2 Grad unterhalb von Jupiter erspäht werden ab 17.30 Uhr. Zwei Tage später gesellt sich, am Abend des 30.12, die schmale Sichel des zwei Tage alten Mondes dazu. Am Silvesterabend erbgibt sich noch ein schöneres Bild, wenn sich die Gestirne Merkur, Venus, Jupiter und Mond noch in einem kleineren Himmelsareal tummeln. Man spricht dann, wenn Planeten in derselben Sichtlinie stehen und am Himmel scheinbar nahe beieinander stehen, von einer Konjunktion. Hoffentlich lassen die Wetterverhältnisse diese schöne Beobachtung zu!
November 2008: Venus als Abendstern Der von uns aus in Richtung Sonne am nächsten gelegene Planet ist die Venus. Sie hat auch die volkstümliche Bezeichnung Morgen- oder Abendstern. Diese Bezeichnung ist ziemlich zutreffend, denn der "Schwesterplanet" der Erde ist um Mitternacht nie sichtbar. Dies hat damit zu tun, dass der Winkelabstand der Venus von der Sonne am Himmel maximal 47 Grad erreicht, weshalb die Venus immer entweder in der Abend- oder in der Morgendämmerung zu sehen ist. Letzteres bedeutet, dass sie der Sonne vorausgeht und rechts oberhalb von ihr sichtbar wird, erst, wenn es schon recht hell ist, verblasst die Venus am Taghimmel. Im umgekehrten Fall, den wir jetzt haben, steht die Venus, wenn die Sonne bereits untergegangen ist, links oberhalb des Sonnenuntergangspunktes. Wenn es noch zu hell ist nach Sonnenuntergang, hilft ein Fernglas beim Aufsuchen. Beginnen Sie aber bitte erst nach Sonnenuntergang mit der Suche, damit sie nicht versehentlich das Instrument auf die Sonne richten und die Augen irreparabel beschädigen! Gegen 17.30 Uhr ist die Venus bei freier Sicht nach Südwesten sofort zu erkennen, sie ist nach dem Mond das hellste Objekt am Himmel. Haben Sie ein kleines Fernrohr zur Hand, das eine 30x Vergrösserung erlaubt? Richten Sie es auf die Venus und Sie werden die Phasengestalt des Planeten erkennen! Zu Monatsanfang sind etwas mehr als 3/4 des Scheibchens beleuchtet, am Monatsende sind es noch knapp 7/10. Zudem wächst der scheinbare Durchmesser auf 16,4" an. Der Planet ist ständig in einer dichte Wolkenhülle und gibt den Blick auf die Oberfläche nicht frei. Sonden, die man zur Venusoberfläche geschickt hat, konnten Temperaturen bis 470 Grad Celsius messen. Somit ist die Venus ein "Mahnmal" gegen einen ungebremsten Treibhauseffekt, wie er gegenwärtig auf der Erde abläuft. Weil die Venusbahn einen deutlich kleineren Durchmesser hat als die Erdbahn, benötigt die Venus nur gerade 225 Tage für einen Sonnenumlauf. Die Venus ist "Einzelgängerin" und verfügt nicht über einen Mond. (Aufnahme: Heinz Schneider, 70mm Kaufhausfernrohr+Webcam)
Oktober 2008: Blick ins äussere Sonnensystem Uranus und Neptun sind die äussersten Planeten des Sonnensystems (Nachdem Pluto seit noch nicht langer Zeit zum Zwergplaneten "abgespeckt" worden ist.) Beide sind nun in den nächsten Wochen sehr gut zu beobachten: Uranus im Sternbild Wassermann und Neptun im Steinbock. Verfügen Sie über eine exakte Aufsuchungskarte, können sie die beiden, welche sich im Fernglas nicht von einem Stern unterscheiden, selber auffinden. Uranus wäre, stünde er höher am Himmel, bei besten Bedingungen sogar von freiem Auge zu sehen. Im Fernglas ist auch der lichtschächere Neptun keine Schwierigkeit. Erst im Teleskop ab ca. 100mm Öffnung erscheinen die beiden bei entsprechend hoher Vergrösserung als kleines Scheibchen, was auf die Planetennatur hinweist. Mit sehr grossen Öffnungen des Instruments (300mm und mehr) kann auch ein Mond des Uranus gesichtet werden. Beide Planeten sind riesige Gaskugeln wie Jupiter und Saturn und warten seit ihrer Entdeckung (1781 und 1846) darauf, in die Reihen der "astrologisch wirksamen" Himmelskörper aufgenommen zu werden. Hartnäckig verweigern die ...logen aber den beiden die Erhebung auf diesen Rang. Da haben wir Sternfreunde, die wir mit der Astrologie nichts zu tun haben, noch ein weiteres spannendes Phänomen in Aussicht: Die Beobachtung des Zodiakallichts. Dieses erscheint im Herbst am Morgenhimmel kurz vor der Dämmerung in Form einer schwach leuchtenden Aufhellung, dreiecksförmig, entlang des Tierkreises bzw. der Ekliptik: Es sind feine, sehr dünn verteilte Staubteilchen, die von der Sonne beleuchtet werden. Allerdings habe ich es hierzulande und im besonderen im Emmental nie mit Bestimmtheit sehen können, inneralpin sind die Chancen grösser. Wer also in der Früh aufsteht, wenn der Mond bereits untergegangen ist, hat, wenn der Himmel dunkel ist, Gelegeheit, die "Lichtpyramide" selber zu sehen.
September 2008: Satellitenspuk Obwohl noch z.T. sommerliche Temperaturen herrschen, saust die Erde rasch auf ihrer Bahn um die Sonne in die Gefilde, wo sie, während sie sich dort aufhält, das Sonnenlicht auf der Nordhalbkugel nur noch in flachem Winkel erhält: die kalte Jahreszeit naht. Künstliche Himmelskörper sind seit dem russischen "Sputnik" in einer sehr grossen Anzahl in den erdnahen Raum befördert worden, so, dass man heute bereits von "Weltraumschrott" sprechen muss; die Menschheit hat es also geschafft, auch diesen Bereich zu verschmutzen. Sehr auffallend sind die Satelliten des IRIDIUM Systems. Sie dienen der Satellitentelefonie, über 60 Satelliten sind im Umlauf und garantieren den Nutzern das Telefonieren von den abgelegensten Orten der Welt aus. Für uns Beobachter sind die Satelliten manchmal sehr auffällig, sie tauchen als schwacher Lichtpunkt auf, bewegen sich und werden in wenigen Sekunden fast gleissend hell, z.T. deutlich heller als Venus! Auf der Seite des Astrokalenders von "astroinfo.ch" bzw. "Calsky" (s.Linkseite) kann man sich für seinen Beobachtungsort Zeit und Position sowie Helligkeit der Satelliten berechnen lassen. Die Helligkeit kommt zustande, wenn der Satellit Sonnenlicht mit seinen Solarpanels in unsere Richtung reflektiert. (Aufnahme: H.Schneider, 24.8.08, Olympus E-400, ca. 25mm, 30s belichtet bei 400 ASA in Richtung der Andromeda)